Und sie sind anders

Wer es nicht schon wusste, kann es in der Studie zur E-Bike Nutzung des Uvek nachlesen: E-Bike Nutzer ticken anders. Die Folgen für Industrie und Handel können gar nicht überschätzt werden.

Die Studie „Verbreitung und Auswirkungen von E-Bikes in der Schweiz“ des Bundesamts für Energie wurde zwar bereits im Sommer 2014 veröffentlicht. Die Erkenntnisse aus dieser repräsentativen Umfrage zur Elektrovelo-Nutzung sind aber nach wie vor topaktuell, und deshalb empfehle ich sie kurz vor dem Jahreswechsel nochmals gerne. Nicht zuletzt auch, weil die Erkenntnisse aus dieser Erhebung für Hersteller und Verkäufer von Elektrovelos ein präzises Bild ihrer Kunden liefern. Daraus lassen sich Ansprüche dieser Zielgruppe ableiten, was wiederum direkten Einfluss auf das Angebot haben kann, ja sollte.

Die ganze Datenmenge wiederzugeben und zu interpretieren sprengt den Rahmen dieses Blogs. Eine Vergleichszahl will aber herausgreifen – sie zeigt den riesigen Unterschied zwischen Nutzern von Velos mit und ohne Hilfsmotor auf:  Gemäss der Studie ist das klassische Velo gerade mal für 19 % der Besitzer das wichtigste oder zweitwichtigste Verkehrsmittel. Das erstaunt nicht weiter und bestätigt die Ergebnisse des Mikrozensus 2010. Für E-Bikes gelten nun aber ganz andere Prioritäten: Satte 79 % der Besitzer geben an, dass das Elektrovelo in ihrer Mobilität erste oder zweite Priorität hat. Damit schlägt das Elektrovelo für seine Besitzer sogar das Auto (69 %) in der Wichtigkeit als Verkehrsmittel. Der öffentliche Verkehr auf Rang Drei der favorisierten Verkehrsmittel liegt dann mit 43 % bereits deutlich zurück.

Berücksichtigt man zudem, dass seit dem Beginn des Booms vor 10 Jahren schon gegen 400’000 Elektrovelos auf die Schweizer Strassen gerollt sind, verstärkt das den Stellenwert, der das E-Bike sich in relativ kurzer Zeit erstritten hat. Es zeigt, dass Elektrovelo-Besitzer ihr Fahrzeug gerne und oft brauchen. Mehr noch: Bei einem so hohen Stellenwert in der Mobilitätskette kann man davon ausgehen, dass es für Viele zu einem unverzichtbaren Begleiter geworden ist. Wer je erlebt hat, wie junge Mütter dank dem E-Bike ihre Kinder rechtzeitig in die Krippe bringen konnten, bevor sie den Zug an die Arbeit nehmen, kann das bestätigen.

Für Industrie und Handel hat der hohe Stellenwert der Elektrovelos für eine Mehrheit seiner Besitzer direkte Folgen – sowohl im Verkauf wie auch im Service. Der krasse Unterschied zu Velos ohne Motor verdeutlicht es noch: E-Bike Kunden haben andere Erwartungen an die Leistungsfähigkeit als Normalvelo-Käufer, und sie benötigen andere Dienstleistungen, wenn ihr Fahrzeug mal in den Service muss. Bleibt das Velo mal für zwei Wochen beim Mechaniker stehen: Tant pis. Man nimmt halt mal den Bus oder das Auto für den Arbeitsweg oder den Einkauf, und ist das keine Alternative, dann hat man sicher noch ein altes Zweitvelo im Keller stehen.  Aber beim E-Bike? Muss sein Besitzer mal eine Woche darauf verzichten, so gleicht das einem kalten Entzug, vergleichbar mit dem Verlust des Führerscheins.

Will sich ein Elektroveloanbieter einen guten Ruf bei seiner Käuferschaft schaffen, und bedeutet für ein Händler die Kundenzufriedenheit nach dem Kauf mehr als nur ein Marketingschlagwort, dann tun sie gut, bei der Entwicklung von Produkten, der Auswahl von Bauteilen, der Vermarktung und bei den Serviceangeboten darauf einzugehen. Gelingt ihnen dies, können sie sich einer positiven Mund-zu-Mund Propaganda sicher sein – und solches Empfehlungsmarketing ist bekanntlich mit keiner flächendeckenden Anzeigenkampagne und keinem noch so beeindruckenden Showroom zu ersetzen.

 

Die Studie „Verbreitung und Auswirkungen von E-Bikes in der Schweiz“ des UVEK ist kostenlos verfügbar. Das 165-seitige PDF-File kann auf dem Portal des Bundesamts für Energie heruntergeladen werden.

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